Ihre Fragen, unsere Antworten
Ihr Anschluss ans Wasserstoffnetz
Nach dem derzeitigen Zeitplan wird das Citygate Kassel, über das wir den Wasserstoff aus dem deutschen Ferngaswasserstoffnetz beziehen werden, im Jahr 2032 in Betrieb gehen. Erst dann können wir die abschnittsweise Umstellung unseres Gasnetzes vornehmen.
Selbstverständlich werden wir, sofern erforderlich, in unserem Netz alle nötigen Baumaßnahmen bis dahin abgeschlossen haben. Für Ihre Planung können Sie davon ausgehen, dass ab 2033 Wasserstoff auch bei Ihnen zur Verfügung steht, wenn Sie bis 2030 eine feste Bestellung vorgenommen haben.
Da Wasserstoff andere Verbrennungseigenschaften als Erdgas besitzt, ist in den meisten Fällen eine Umrüstung bestehender Anlagen notwendig und auch möglich. Der jeweilige Aufwand hängt jedoch von der spezifischen Anwendung ab und kann nicht pauschal beantwortet werden. Eine Elektrifizierung von Prozessen hingegen erfordert in der Regel einen Anlagenneubau.
Die im deutschen Gasnetz verbauten Stahlrohrleitungen sind für den sicheren Transport von Erdgas ebenso wie für Wasserstoff geeignet.
In Deutschland gibt es für Wasserstoff keine anderen Sicherheitsvorschriften als für alle anderen brennbaren Gase.
Der geplante Druck des Kasseler Wasserstoffnetzes beträgt 16 bis 40 bar.
Über einen in Lohfelden geplanten H2-Backbone wird Kassel ab 2032 Anschluss an das Wasserstoff-Fernleitungsnetz Werne-Eisenach haben. Dieses Leitungsprojekt im Cluster Nordhessen wird von den überregionalen Transportnetzbetreibern ThyssenGas und terranets bw realisiert.
In Kassel können wir eine ungenutzte Gashochdruckleitung, die vom Süden der Stadt in Norden führt, auf Wasserstoff umrüsten und eine Verbindung in die Dennhäuser Straße zum Backbone-Netz schaffen.
Entscheidend für die weitere Leitungsführung und den Neubau von Transportrouten in Kassel und in die umliegenden Gemeinden sind die Bedarfsmeldungen aus der ansässigen Industrie.
Die Städtische Werke Netz + Service ist in Kassel für den Anschluss an das Wasserstoffnetz sowie den sicheren und zuverlässigen Transport Ihrer Energie zuständig. Für die Belieferung mit Wasserstoff können Sie wie ebenso bei anderen Energiearten Ihren Anbieter frei wählen.
Je besser wir Ihren Bedarf kennen, umso besser können wir die Leitungsführung daraufhin ausrichten. Sie behalten gleichzeitig volle Flexibilität: Die Anmeldung Ihres Bedarfs über das Planungstool HyCo beinhaltet weder eine verbindliche Buchung von festgelegten Transportkapazitäten noch eine Verpflichtung zum Abschluss von Netzanschluss- und Netznutzungsverträgen.
Basiswissen Wasserstoff
Unter allen chemischen Elementen unserer Welt ist Wasserstoff das leichteste. In der Natur kommt es nur gebunden vor, beispielsweise in Erdgas und Erdöl, in einigen Mineralien und am häufigsten in Wasser (H2O). Bei Zimmertemperatur ist es ein brennbares, farb-, geruch- und geschmackloses Gas.
Für die Erzeugung von grünem Wasserstoff kommt ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien zum Einsatz. Somit entsteht bei der Herstellung im Elektrolyseverfahren kein CO2 als schädliches Treibhausgas. Grauer Wasserstoff hingegen wird aus fossilen Energien, hauptsächlich aus Erdgas, aber auch aus Strom aus dem allgemeinen Stromnetz, erzeugt und ist daher nicht CO2-neutral. Blauer Wasserstoff wird ebenfalls aus Erdgas gewonnen, die dabei entstehenden Treibhausgase werden jedoch aufgefangen und unterirdisch gespeichert. Pinker Wasserstoff beruht auf der Verwendung von Atomstrom bei der Elektrolyse.
Im Elektrolyseverfahren wird Wasser mittels elektrischer Energie in Sauerstoff und Wasserstoff aufgespalten. Der Ausgangsstoff für diesen Prozess ist in der Regel Süßwasser, doch es gibt bereits Katalysatoren, die Meerwasser für die Wasserstoff-Elektrolyse nutzbar und damit eine Entsalzung überflüssig machen. Mit Strom aus erneuerbaren Energien ist der erzeugte grüne Wasserstoff zu 100 % CO2-neutral. Die im Elektrolyseverfahren entstehende Abwärme lässt sich perspektivisch in Wärmenetze einspeisen.
Bei der Herstellung von grauem Wasserstoff kommen Erdgas und das Verfahren der Dampfreformierung zum Einsatz. Bei Temperaturen von bis zu 1000 °C wird das Erdgas in Wasserstoff und Kohlendioxid umgewandelt – und enorme Mengen schädliche Treibhausemissionen in die Luft geblasen.
Für die Erzeugung von 1 Kilogramm Wasserstoff mittels Elektrolyse ist mit einem Bedarf von rund 10 Litern Reinstwasser plus 2-3 Liter Kühlwasser. Bei der Meerwasserelektrolyse beträgt der Wasserbedarf etwa das Zwei- bis Dreifache.
Um den künftig enormen Bedarf (laut Nationaler Wasserstoffstrategie 95-130 TWh im Jahr 2030) an grünem Wasserstoff decken zu können, ist Deutschland auf Importe aus dem europäischen und weltweiten Ausland angewiesen. Denn nur etwa ein Drittel kann aus Wind- und Sonnenenergie selbst produziert werden. Am günstigsten ist es, Wasserstoff mit Hilfe von Solarenergie zu erzeugen. Länder in Afrika, auf der arabischen Halbinsel oder der anderen Hälfte der Weltkugel kommen dafür in Frage. So haben Deutschland, Italien und Österreich zusammen mit Algerien und Tunesien einen Wasserstoff-Importkorridor geplant. Australien und Deutschland unterzeichneten Ende 2024 eine wichtige Vereinbarung zum Aufbau neuer Lieferketten für Wasserstoff.
Eine Umrüstung von Erdgasleitungen auf den Transport von Wasserstoff benötigt immer eine Genehmigung nach der geltenden Gashochdruckleitungsverordnung. Leitungsnetzbetreiber und behördliche Vertreter erstellen dazu für jede Leitung einen Maßnahmenkatalog. Im Rahmen des konkreten Umstellungsprozesses wird das Erdgas aus der Leitung entleert. Sind Anpassungsmaßnahmen erforderlich, können sie im drucklosen Zustand durchgeführt werden. Final wird die Leitung mit Wasserstoff befüllt und in Betrieb genommen.
Besonders in energieintensiven Produktionsprozessen ersetzt der klimafreundlich hergestellte Wasserstoff fossile Energieträger und leistet so einen wesentlichen Beitrag zur Verringerung der CO2-Emissionen. Die Verbrennung geschieht ohne umwelt- oder klimaschädliche Nebenprodukte, da lediglich Wärme und Wasser entstehen. Als Speichermedium kann Wasserstoff außerdem überschüssige Energien aus Sonnen-, Wind- und Wasserkraft über lange Zeit speichern.
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Städtische Werke Netz + Service GmbH
TB | Wasserstoff-Team
Eisenacher Straße 12
34123 Kassel